Bau einer Photovoltaik-Anlage oder: Die Sonne schickt keine Rechnung

Der Bau einer Photovoltaik-Anlage (PV) ist ein ganz persönlicher Beitrag zum Ausbau Erneuerbarer Energien, der sich noch dazu finanziell rechnet

Strom aus dem Netz ist heute doppelt so teuer wie Strom, den ich mit meiner eigenen Photovoltaik-Anlage produziere und als Eigenverbrauch selbst nutze. Dies hat zum einen damit zu tun, dass die Module für PV-Anlagen in den letzten Jahren deutlich effizienter geworden und die Preise gleichzeitig gefallen sind. Strom aus Sonne kann daher inzwischen sehr kostengünstig produziert werden. Gleichzeitig steigen die Preise für Strom aus dem Netz. Mit einer eigenen PV-Anlage kann man daher den großen Stromanbietern ein Schnippchen schlagen, indem man seinen Strom kostengünstig selbst produziert und so dauerhaft unabhängig von steigenden Energiepreisen wird. Gleichzeitig trägt man direkt dazu bei, dass der Ausbau von Erneuerbaren Energien voranschreitet und wir das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, doch noch schaffen können.

Scheint bei uns dafür nicht viel zu wenig Sonne, dass eine PV-Anlage wirklich was bringt? Was passiert, wenn der Himmel bedeckt ist?

Bei uns in der Mitte Deutschlands kann eine PV-Anlage mit einer Spitzenleistung von 10 kWp und einer Ausrichtung nach Süden ca. 10.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Dafür benötig man ca. 25 bis 30 Module, die problemlos auf das Dach der meisten Einfamilienhäuser passen. Gibt es keine (freie) Dachfläche, die nach Süden zeigt, können die Module auch auf die Ost- und Westseite des Daches verteilt werden, was ebenfalls sehr gute Erträge bringt und den Vorteil hat, dass der eigene Strom recht früh und abends lange zur Verfügung steht. Auch eine zeitweise Verschattung einzelner Module ist heute kein Problem. Selbst an einem bedeckten Tag erzeugt die PV-Anlage immer noch ausreichend Strom, um damit die sogenannte Grundlast (Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizungspumpe, …) zu decken.

Und das würde wofür reichen?

  • Ein durchschnittlicher 4-Personenhaushalt verbraucht pro Jahr ungefähr 4.000 kWh Strom (https://www.co2online.de/energie-sparen/strom-sparen/strom-sparen-stromspartipps/stromverbrauch-im-haushalt/).
  • Ein Elektroauto wie der VW ID.3 kann mit 10.000 kWh über 60.000 km fahren.

Über das Jahr gerechnet kann mit einer durchschnittlichen Anlage auf einem Einfamilienhaus ein Haushalt mit vier Personen so ca. 50 Prozent seines Strombedarfs selbst decken: Im Sommer wird tagsüber deutlich mehr erzeugt, als der Haushalt überhaupt verwenden kann. Der Überschuss wird dann zu einem festen Preis ins Stromnetz eingespeist. Kommt noch ein Batterie-Speicher hinzu, der den tagsüber produzierten Überschuss für den Verbrauch am Abend speichert, kann man schnell 80 Prozent seines Strombedarfs und mehr selbst decken. Insgesamt können also bereits mit einer ganz durchschnittlichen PV-Anlage zwischen 50 und 80 Prozent der bisherigen Stromkosten eingespart werden.

Zu dem guten Gefühl, unabhängig von einem Energieanbieter und steigenden Energiepreisen seinen Strom selbst zu produzieren kommt noch: eine positive Rendite

Bereits ohne einen Batterie-Speicher kann ein durchschnittlicher 4-Personenhaushaltbei einem Verbrauch von ca. 4.000 kWh und etwa 1.200 Euro Stromkosten mit einer PV-Anlage so pro Jahr ca. 600 Euro Stromkosten einsparen. Über eine Laufzeit von 20 Jahren (was für eine PV-Anlage kein Problem ist – die läuft auch noch länger) können mit einer PV-Anlage durch eingesparte Stromkosten und die Vergütung (ca. 8 ct/kWh) für in das Stromnetz eingespeisten Strom, der nicht selbst verbraucht wurde, über 6.000 Euro eingespart werden. Das entspricht immerhin einer jährlichen Rendite von ca. 4,5 %, die ich anderswo so risikolos kaum bekommen kann.

Das funktioniert in der Praxis? In unseren Breitengraden und oft bedecktem Himmel?

Ja, tatsächlich: In 2020 konnten wir in unserem 4-Personenhaushalt mit PV-Anlage und Batterie-Speicher fast 80 % unseres Strombedarfs selbst decken. Unsere monatlichen Stromkosten sind dabei spürbar gesunken. Dabei verbrauchen wir nicht nur Strom für Kochen, Licht usw., sondern wir heizen auch das Haus und das Warmwasser mit einer Wärmepumpe und laden anteilig unser E-Auto damit.

Wenn Sie Fragen dazu haben oder das Ganze einmal „live“ und mit echten Zahlen ansehen möchten, melden Sie sich bei uns. Wir teilen gerne unsere Erfahrungen eines privaten PV-Haushalts mit dem Ziel, möglichst viel unseres PV-Stroms selbst zu verbrauchen.

Gab es nicht gerade eine Vereinfachung für den Bau von PV-Anlagen?

Bisher musste für PV-Anlagen, deren Spitzenleistung über 10 kWp lag, die sogenannte EEG-Umlage auf den selbst verbrauchten Strom gezahlt werden. Diese Begrenzung wurde nun abgeschafft, so dass Anlagen mit mehr als 10 kWp gebaut und betrieben werden dürfen, ohne dass die EEG-Umlage gezahlt werden muss. Wer also eine ausreichend große Dachfläche hat und evtl. auch eine Wärmepumpe besitzt/plant oder ein E-Auto, könnte sich überlegen, ob nicht gleich eine größere PV-Anlage sinnvoll wäre.

Ich wohne in einer Mietwohnung oder kann aus anderen Gründen keine PV-Anlage bauen – kann ich trotzdem einen Beitrag zur Energiewende leisten und Strom aus Erneuerbaren Energien nutzen?

Nicht alle Anbieter von Ökostrom nehmen es mit der Herkunft des Stroms ganz genau und lassen einen häufig im Unklaren darüber, wo der Strom eigentlich herkommt. Eine Übersicht von „echten“ Ökostrom -Anbietern, die auch selbst aktiv den Ausbau Erneuerbarer Energien fördern, indem sie zum Beispiel eigene Erzeugungsanlagen (Wind, Sonne und Wasser) errichten und betreiben oder indem sie Projekte unterstützen, die den Ausbau Erneuerbarer Energien und hierfür notwendiger Technologien voranbringen, gibt es z. B. unter https://utopia.de/ratgeber/oekostrom-tarife-vergleich/.

Noch können wir die Erderwärmung begrenzen. Um auch für unsere Kinder und Enkelkinder eine lebenswerte Umwelt zu sichern und die Klimakrise zu meistern, müssen wir jetzt endlich handeln, denn die Zeit drängt. Eine eigene PV-Anlage leistet dazu einen nachhaltigen Beitrag: Nachhaltig für Klimaschutz und für den eigenen Geldbeutel, denn die Sonne schickt keine Rechnung.

Dr.-Ing. Stephan Engel für Bündnis 90/Die Grünen, OV Dransfeld

Warum wir die Energiewende schaffen müssen

Warum wir die Energiewende schaffen müssen

„Wir haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Warum versuchen wir es also nicht. Niemand sonst wird die Zukunft für uns retten!“

(Quelle: Luisa Neubauer, „Why I became a climate activist -- and you should, too.“, youtu.be/WsfacjPOBIw)

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute für uns sichtbar, wie auch die beiden Artikel zum Thema Waldsterben von Manfred Budde und Wolfgang Kanschik in der letzten DI (09/2019) anschaulich erläutern. 2018 befällt der Borkenkäfer aufgrund der Trockenheit die Fichten, dieses Jahr leiden die Buchen unter der Trockenheit (Quelle: Mathias Aßmann, „Buchen leiden unter Wassermangel“, www.landesforsten.de/2019/07/19/buchen-leiden-unter-wassermangel-nlf-besorgt). Aber nicht nur auf den Wald hat der Klimawandel schon heute Auswirkungen. Wie bereits 2018 fiel auch in diesem Jahr die Erntebilanz eher unterdurchschnittlich aus (Quelle: AGRAVIS, „Erwartungen an Weizen und Raps in Niedersachsen unterschritten“, www.agravis.de/de/pflanzenbau/ernte/erntebilanz) und die Aussaat für das nächste Jahr ist auch schwierig. (Quelle: HNA, „Südniedersachsen: Trockenheit beeinflusst Rapsfelder“, www.hna.de/lokales/hann-muenden/hann-muenden-ort60343/suedniedersachsen-trockenheit-beeinflusst-rapsfelder-12992807.html)

Was wir hier erleben, sind nur die ersten Anfänge des Klimawandels. Wir sind damit die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels erlebt, aber gleichzeitig auch die letzte, die ihn noch aufhalten kann! Dazu brauchen wir dringend die Energiewende. Die Energiewende ist mehr als nur Strom aus Wind, Sonne und Wasser. Zur Energiewende zählen auch die Wärmewende und die Verkehrswende. Es geht auch darum – und das betrifft insbesondere die Bereiche Wärme und Verkehr – Energie effizienter und nachhaltiger zu nutzen.

Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die es anzugehen gilt und die sich anzugehen für uns lohnen wird. Ich denke nicht, dass wir schon für alle Fragen, die die Energiewende mit sich bringt, die passenden Lösungen haben. Sehr wahrscheinlich wird es auch nicht die eine Lösung geben, sondern es wird am Ende einen Baukasten aus verschiedensten Lösungen geben müssen. Wir sind es jedoch unseren Kindern und Enkelkindern schuldig, diese Lösungen zu finden!

Ich persönlich möchte mir später nicht von meinen Kindern die Frage stellen lassen, warum wir nicht genug gegen den Klimawandel unternommen haben.

 

Wie kann die Energiewende funktionieren?

Von den Gegnern der Energiewende wird immer wieder behauptet, dass die Energiewende gar nicht funktionieren kann. Auf einige dieser falschen Behauptungen möchte ich an dieser Stelle einmal kurz antworten.

  • „Das geht doch alles gar nicht!“ – Ich habe mich die vergangenen neun Jahre beruflich intensiv mit den Themen Erneuerbare Energien und Sektorenkopplung (gemeinsame Betrachtung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr) beschäftigt. Die Technik ist bereits vorhanden. Die Politik muss es nur wollen und wir müssen es auch wollen.
  • „Was, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?“ – Kein Problem: Es gibt genügend Erzeugungstechniken wie Biomasse oder Wasserkraft, die bei Bedarf einspringen können. Darüber hinaus gibt es auch Verfahren, wie zum Beispiel Methanisierung (Power-to-Gas) und Rückverstromung des Gases zu Strom, um Energie in größeren Mengen zu speichern.
  • „Es gibt nicht genug Speicher, und man braucht doch riesige Speicher für die Energiewende.“ – Batterie-Speicher benötigen wir gar nicht in großem Umfang. Wir brauchen vergleichsweise kleine elektrische Speicher, um das Stromnetz zu stabilisieren. Für die großen Energiemengen gibt es andere Lösungen, die dem Stromnetz Last hinzufügen oder abnehmen, wie die bereits erwähnte Methanisierung, Biomassekraftwerke und Blockheizkraftwerke, die ihre Leistung flexibel anpassen können.
  • „Die Energiewende ist doch gar nicht bezahlbar.“ – Das ist falsch. Durch die Energiewende wird Strom günstiger. Wer eine eigene Solaranlage auf dem Haus hat, weiß das. Darüber hinaus entstehen durch die Energiewende eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze, und zwar mehr, als durch ein Ende des Kohleabbaus in Deutschland langfristig wegfallen würden. Dass die Energiewende bezahlbar ist und sich sogar für Deutschland rechnen kann, hat zuletzt auch das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel gezeigt. Hierzu gab es vor kurzer Zeit ein Interview mit dem Leiter des Instituts in der HNA (https://www.hna.de/kassel/kasseler-fraunhofer-institut-politik-schlaegt-expertise-wissenschaft-aus-12944655.html).
  • „Aber es bringt doch gar nichts, wenn nur wir hier in Deutschland unser Verhalten ändern.“ –Doch, es bringt etwas, wenn nur wir in Deutschland etwas machen. Auch bringt es ganz direkt für Deutschland etwas: Wir waren schon einmal führend im Bereich Erneuerbare Energien, bis die Politik den Markt anderen fast vollständig überlassen hat. Auch beim Thema Elektromobilität könnte Deutschland wieder führend sein, wenn wir nicht warten, bis auch hier andere den Markt übernehmen.

Sicherlich wird die Energiewende viele Veränderungen mit sich bringen, die wir heute noch nicht voll erfassen können, aber nichts zu machen und zuzusehen, wie wir die Erde vor die Wand fahren, kann keine Option sein. Wenn jeder seinen kleinen Beitrag zu leisten bereit ist, kommen wir schon ein ganzes Stück weiter. Über eine offene Diskussion, ob in der nächsten DI oder auch gerne persönlich, würde ich mich sehr freuen.

Wer sich darüber hinaus persönlich mit mir und anderen über die Themen Klimawandel und Energiewende austauschen möchte, kann gerne am 10. und 11. Oktober zum Barcamp Renewables nach Kassel kommen, das dieses Jahr ganz im Zeichen der Fridays For Future-Proteste gegen die Klimakrise steht. Anmeldung unter www.barcamp-renewables.de

 

Weitere Information zum Thema Energiewende

www.pik-potsdam.de

www.scientists4future.org/stellungnahme/fakten

www.herkulesprojekt.de

www.sonnenseite.com

www.volker-quaschning.de

 

Stephan Engel für Bündnis 90/Die Grünen, OV Dransfeld

Sonntagsspaziergang am Hohen Hagen zum geplanten Seilrutschenpark am 27.09.2020

Der Samtgemeindeverband B`90 / Die GRÜNEN Dransfeld veranstalteten am Sonntag, den 27.09. bei angenehmem herbstlichen Wetter einen Spaziergang am Hohen Hagen. Ca. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer umrundeten das Gelände, das durch Kreistagsbeschluss aus dem Landschaftsschutzgebiet (LSG) herausgelöst worden ist. An acht Stationen gab es Informationen und immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu stellen zu verschiedenen Aspekten der problematischen Planung eines Seilrutschenparks. Etliche Fachleute von verschiedenen Verbänden und Einrichtungen, sowie der Projektierer Christoph Brand von der Schattenspringer GmbH aus Bielefeld waren anwesend, um den interessierten Teilnehmer*innen mit ihren Statements, Meinungen, Befürchtungen, aber auch Zielsetzungen und Planungen zu vermitteln. Nachdem im Sommer der Kreistag mehrheitlich – aber ohne die Stimmen der GRÜNEN Fraktion – die Herausnahme von 22ha beschlossen hat beabsichtigen Samtgemeinde und Stadt Dransfeld zügig die Aufstellung eines Flächennutzungsplans (F-Plan) und eines Bebauungsplans (B-Plan) sowie die Abfassung eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt Dransfeld und der Schattenspringer GmbH. Der Versuch der Dransfelder Verwaltung, das Genehmigungsverfahren zügig durchzuziehen, ist nicht unumstritten. Vielen Menschen in der Samtgemeinde dämmert es erst jetzt, dass aus der früheren Absicht, einen Hochseilgarten oder einen Kletterwald am Hohen Hagen anzulegen, inzwischen die Idee eines Seilrutschenparks geworden ist, der nicht nur für die Region, sondern -  so der Projektierer - eine deutschlandweite Ausstrahlung erreichen soll. Den Kern des geplanten Freizeitparks bilden ca. 20 Seilrutschen, die von alle Seiten den alten renaturierten Steinbruch mit seinem besonderen Geologiepfad überspannen. Hinzu kommen eine 750m lange Fly-Line, Wallrunning am Gaußturm und eine Freefall Anlage. Damit - so Christoph Brand - wäre das dann eine europaweit einmalige Attraktion.

Wir GRÜNE unterstützen durchaus eine soziale, ökologische und umweltverträgliche Entwicklung des Tourismus auf dem Hohen Hagen. Ein Vergnügungspark dieses Ausmaßes in einem ökologisch sensiblen Gebiet widerspricht aber jeder Idee eines sanften Tourismus und steht in direkten Widerspruch zum aktuell gültigen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP), das für den Hohen Hagen „ruhige Erholung“ vorschreibt. Unser durch die GRÜNE Kreistagsfraktion eingebrachter Alternativvorschlag, nämlich eine wesentlich kleinere Fläche auszuweisen, wurde im Kreistag abgelehnt. Es kommt jetzt darauf an, über die Festsetzungen im F- und B-Plan das Ganze in möglichst akzeptable Bahnen zu lenken.

Ob die vorhandene Infrastruktur den erwarteten 45000 Besucherinnen pro Saison (entspricht bei ca. 185 Öffnungstagen im Durchschnitt 250 Besucher*innen pro Tag) gewachsen sein wird, darf bezweifelt werden. Es gibt nur zwei Zufahrtsstraßen und eine viel zu kleine Parkplatzfläche am Turm. Neben Fällarbeiten für die verschiedenen Türme ist also mit weiteren, erheblichen und auch kostspieligen Eingriffen in die Natur zu rechnen.

Von den Planungen könnte das Schullandheim und Bildungsstätte Haus-Hoher-Hagen ganz besonders betroffen sein. Direkt entlang an der Abbruchkante des ehemaligen Steinbruchs soll eine Fly-Line verlaufen. Sie befände sich dann in unmittelbarer Nähe der ganzjährig stark genutzten Bildungseinrichtung, so Kilian Erdmann vom Verein Haus-Hoher-Hagen. Sowohl in der Woche als auch am Wochenende arbeiten hier Schulklassen und Gruppen, um Projekte umzusetzen aber auch um die Abgeschiedenheit zu genießen und auszuspannen. Das Alleinstellungsmerkmal wie K. Erdmann es nannte, eines ruhigen abgeschiedenen Arbeits- und Erholungshauses würde durch die direkt am Grundstück entlangziehende Fly-Line mit ihren Laufgeräuschen sowie durch das zu erwartende „Kreischen“ der Besucher*innen gefährdet. Dass mit solchen Beeinträchtigungen zu rechnen sei, wurde vom Projektierer unumwunden bestätigt.

Der Naturschutzbeauftragte des Deutschen Alpenvereins (DAV) Sektion Göttingen, Karl-Heinz Hesse wies darauf hin, dass die Sektion mit mehr als 4000 Mitgliedern viele Wandergruppen organisiert und betreut. Ehrenamtliche engagieren sich seit Jahren zusammen mit dem Naturpark Münden z.B. bei Pflegemaßnahmen und dem Bau von Sitzbänken auf dem Hohen Hagen. Er befürchtet, dass im Zuge der Baumaßnahmen Wanderwege verlegt werden müssen und viele Wanderer aufgrund von Lärmbelastungen und der baulichen Beeinträchtigungen zukünftig das Gebiet meiden werden. Verschiedene überregionale Wanderwege wie der E6, der Pilgerweg Volkenroda - Loccum, der Studentenweg Göttingen - Hann. Münden führen über den Hohen Hagen.

Christoph Brand von der Schattenspringer GmbH machte in seinem Statement deutlich, dass er einen Vergnügungspark plane und daher auch kein pädagogisches Konzept habe. Dem ursprünglich an ihn herangetragenen Wunsch, (nach Möglichkeit) einen Hochseil- oder Klettergarten zu errichten, erteilte er eine klare Absage. Für ihn gäbe es im Umkreis von einer Stunde Fahrtzeit bereits zu viele Kletterparks. Damit sei inzwischen kein Geld mehr zu verdienen. Ihm gefalle der Gaußturm sowie der interessante Steinbruch. Der Vergnügungspark solle in 2 bis 3 Phasen errichtet werden. Zentrale Anlage werde die Fly-Line sein. Hinzu kämen die Attraktionen am Turm und bis zu 20 Seilrutschen. Die Gastronomie werde er nicht selbst betreiben. Übernehmen wolle er die Parkplatz Erweiterung. In der 1. Phase rechne er mit einem Investitionsvolumen zwischen 500.000 und 1 Million Euro. Christoph Brand betonte wiederholt, dass die vorgelegten Planungen noch vorläufig seien. In eine konkrete Planung könne erst eingestiegen werden, wenn der Gestaltungsrahmen festläge.

Der Vorsitzende der Realgemeinde erklärte die etwas komplizierte, auf den ersten Blick unübersichtliche Gemengelage hinsichtlich der Eigentums- und Nutzungsrechte bezüglich des Planungsgebietes am Hohen Hagen. Das Ganze sei historisch gewachsen, wobei die Stadt Dransfeld Eigentümer von Grund und Boden sei, sich aber die Nutzungsrechte mit der Realgemeinde teilen müsse. Es sei also geboten, dass sich der Vorhabenträger nicht nur mit der Stadt Dransfeld sondern natürlich auch mit der Realgemeinde zusammensetzen und verhandeln müsse. Diesbezügliche Kontakte habe es bisher noch nicht gegeben. Die Realgemeinde sei bereit für offene, konstruktive Gespräche mit dem Investor und man erwarte jetzt die notwendigen Schritte seitens der Schattenspringer GmbH.

Vertreter der Realgemeinde, des Stadtrates und der Leiter des betreuenden Forstamtes der niedersächsischen Landesforsten bilden den Forstrat. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender dieses Gremiums trug Herr Sebesse seine zum Teil persönlichen Einschätzungen und Kritikpunkte zum Seilrutschenpark vor, wobei er insbesondere auf die Natur- und Umwelt beeinträchtigenden Aspekte des Vorhabens einging.

Der Naturschutzbund (NABU) Dransfeld bezog deutlich Stellung: Mit der ruhigen Erholung am Hohen Hagen ist es bei pro Jahr 45.000 angestrebten Besuchern vorbei. Für seltene und störungsempfindliche Arten wie Wildkatze, Grauspecht und Waldschnepfe würde der Gaußturmkessel als Lebensraum unbrauchbar. Gerade einmal 0,4 Hektar Ersatzhabitat für den Grauspecht sind als Ausgleich für einen Lebensraumverlust von 14 Hektar durch den Funpark vorgesehen. Der Rest der vertriebenen Arten geht leer aus. Angesichts der unübersehbaren Waldschäden durch die Trockenheit der vergangenen Jahre ist die Erhaltung des Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftraumes Wald unverzichtbar. Absolut nicht zeitgemäß ist dagegen ein Massentourismus-Konzept mit ungewissem wirtschaftlichen Ausgang. Wir alle - allen voran der Rat von Stadt und Samtgemeinde Dransfeld - müssen uns fragen: Ist der kurzlebige Adrenalinkick beim Vollkaskoabenteuer Seilrutsche den Verkauf des wertgebenden Charakters am Hohen Hagen, nämlich der ruhigen Erholung in einer besonders schönen Natur, wirklich wert?

 Ebenfalls kritisch äußerte sich der BUND Göttingen: Grundsätzlich zu kritisieren sei die Herausnahme einer derart großen Fläche aus dem LSG, ohne vorher festzulegen, was mit dieser Fläche geschehen soll. Der geplante Vergnügungspark widerspreche in Gänze den Forderungen des derzeit gültigen RROP nach „ruhiger Erholung“ auf dem Hohen Hagen. Das in unmittelbarer Nähe befindliche FFH Gebiet werde durch die Menschenmassen und den erhöhten Geräuschpegel direkt beeinträchtigt. Dieser Punkt sei z. B. in dem Gutachten zum Antrag der Stadt Dransfeld auf Herausnahme aus dem LSG in keiner Weise berücksichtigt worden. Besonders die Störung des europarechtlich geschützten Grauspechtes werde mit dem Vorschlag einer sehr kleinen Kompensationsfläche in unmittelbarer Nähe aus artenschutzrechtlicher Einschätzung nicht gerecht. Besonders herausgestellt wurde von ihm die ungenügende Infrastruktur. Bei der beabsichtigten Größe der Fun-Anlage würde es zu erheblichen Flächenversiegelungen für Anfahrtswege und Parkplätze kommen. Da der Hohe Hagen lokal und regional mit dem ÖPNV nicht erreichbar ist, würde man mit der Lage dieses Projekts die Belastungen durch den Individualverkehr verschärfen, was in Zeiten des Klimawandels kontraproduktiv wäre.

Der Geologe Dr. Steinmetz, Hann. Münden, erläuterte u.a. die Besonderheiten der geologischen Strukturen, die am Hohen Hagen vorliegen und welche Probleme sich daraus für die stabile Verankerung und die Statik von Bauwerken ergeben könnten, die starken Belastungen ausgesetzt sind, wie es bei den Türmen für die geplanten Seilrutschen unzweifelhaft der Fall sei. Der Hohe Hagen sei zwar vulkanischen Ursprungs, stelle sich aber als langgestreckte Formation und nicht als klassischer Vulkankegel dar. Es handele sich nicht um solides, kompaktes Gestein. Vielmehr bestehe der Untergrund aus stark zerklüftetem von Sanden durchsetztem Basalt. Verankerungen in solchen Bodenstrukturen seien sehr schwierig und würden einen großen Aufwand erfordern. Weiterhin sei auch zu berücksichtigen, dass es sich an zahlreichen Stellen um instabile Aufschüttungen und Ablagerungen handele, die wenig Halt bieten würden. Der frühere Förster in diesem Gebiet, Manfred Budde, begleitete damals die Aufschüttungen aus dem Abraum vom Bau der ICE Strecke sowie des Baus der Uni Bibliothek Göttingen. In den ersten Jahren nach Beendigung der Aufschüttungen sei es immer wieder zu Erdrutschen an der Westseite des Kraters gekommen. Alle diese geschütteten Flächen seien nach wie vor in Bewegung. Trotzdem sei aus dem Bruchgelände im Gefolge der Anpflanzungen und Renaturierungsmaßnahmen, insbesondere aber durch die Natur selber im Rahmen einer natürlichen Sukzession ein schützenswerter Biotop entstanden, wobei dieser Prozess selbstverständlich weiterlaufe und zu weiteren Änderungen von Flora und Fauna führen werde.

Am letzten Haltepunkt des Rundganges, dem Startpunkt der Rodelbahn unterhalb des Gaußturms bestand noch einmal die Möglichkeit, Fragen an die Fachleute zu stellen, aber auch an den Projektierer.

Unser Fazit an diesem Nachmittag: Seit vielen Jahren wird bereits versucht, den Hohen Hagen attraktiver zu gestalten. Es wurden Konzepte in Magister- und Diplomarbeiten entwickelt. Vorschläge wie die Errichtung von Wald- und Abenteuerspielplätzen, Anlegen eines Biergartens etc. kamen von vielen Seiten. Umgesetzt wurde nur der sehr interessante Geologiepfad. Seit vielen Jahren gibt es keine Gastronomie mehr im Gaußturm. Besser klappte es mit der Ausweisung der oben genannten Wanderwege durch den Naturpark Münden. Die Idee, angepasste Kletter- oder Seilparks zu erstellen oder gar Seilrutschen zu installieren wurde von verschiedenen Projektierern versucht und immer wieder aufgegeben. Zu hoch waren die Anforderungen an die Stadt Dransfeld, in Vorleistung zu gehen, z.B. Gutachten zu finanzieren, die nötige Infrastruktur zu finanzieren, wie Parkplätze schaffen, Sanitäranlagen zu bauen, Gastronomie sicher zu stellen. Dies kann eine Gemeinde, die sich in der Entschuldung befindet, nicht leisten. Als GRÜNE Dransfeld haben wir schon lange gefordert, ein Gesamtkonzept für den Hohen Hagen zu erstellen: Die Festlegung was hier oben geschehen kann, was vielleicht die Bevölkerung will, wie stark die Eingriffe sein dürfen, um noch ökologische und umweltschützende Maßstäbe einzuhalten. Es fehlt überhaupt eine Zielsetzung, die die vorhandene Infrastruktur berücksichtigt und die Größe und Lage der zu nutzenden Fläche festlegt.

Wir mussten jedoch registrieren: Die Verwaltung und die Mehrheitsparteien gehen den umgekehrten Weg: Mit jedem Projektierer wuchs die Forderung nach größeren Flächen. Dies führt zu einer Beliebigkeit, die unseres Erachtens unverantwortlich ist gegenüber der Natur, den Menschen aber auch unseren finanziellen Ressourcen.  Der Projektierer fordert - und von Gemeindeseite wird planlos versucht, es dem jeweiligen Projektierer Recht zu machen. Mit der Herausnahme einer derart großen Fläche aus dem LSG wird eine Tür geöffnet, ohne vorher festgelegt zu haben wie groß sie ist und wie weit sie geöffnet werden soll. Auch wir GRÜNE können uns eine touristische Aufwertung des Gebietes am Hohen Hagen vorstellen - allerdings im Rahmen eines sanften, umweltverträglichen, nachhaltigen Gesamtkonzeptes. Einer Herausnahme aber von insgesamt 22ha aus dem LSG konnten und können wir nicht zustimmen. Im Kreistag hat die GRÜNE Fraktion diesem Antrag der Stadt Dransfeld daher ihre Stimmen verweigert.

Für uns war es an diesem Sonntagnachmittag wichtig, mit Fachleuten, aber auch mit vielen Einwohner*innen aus der Samtgemeinde diesen Rundweg zu machen, um unterschiedliche Wünsche, Sichtweisen, Argumente, Fragen, Befürchtungen aber auch Vorschläge kennen zu lernen.  Es geht jetzt darum, eine breite Diskussion zu führen, um Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung von F- und B-Plan. Denn an diesen Stellen wird geregelt, was zukünftig auf dem Hohen Hagen machbar ist – und eben auch was nicht.

Fukushima Gedenktag

Mahnwache: 35 Jahre nach Tschernobyl und 10 Jahre nach Fukushima

am Montag, den 26. April 2021 ab 16.30 Uhr

in Dransfeld, Lange Straße,  Höhe St. Martini Kirche

(natürlich unter Einhaltung der aktuellen Corona Schutzregeln)

 

Am 26. April jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 35. Mal.

Wir gedenken der Opfer und denken an die Menschen, die auch in den folgenden Generationen immer noch erhebliche gesundheitliche Folgen zu tragen haben.

10 Jahre nach Fukushima und 35 Jahre nach Tschernobyl sind in Deutschland noch 6 Atomkraftwerke in Betrieb, die immerhin bis Ende 2022 laufen sollen. Dazu kommen die Uranfabriken in Lingen und Gronau, die nach wie vor produzieren und fleißig exportieren. Deutschland ist umgeben von unsicheren und z.T. schrottreifen AKWs, wie z. B. dem französischen AKW Cattenom und den belgischen AKWs Doel und Tihange.  Auch diese Atomkraftwerke gehören sofort stillgelegt! Denn die Geschichte hat auf grausame Weise gezeigt:

Die Atomtechnologie ist nicht sicher und nicht beherrschbar.

 

Ein weiterer Punkt betrifft die Energiewende, die derzeitig konsequent und gezielt verschleppt wird. Bedenkt man, dass im Zusammenhang mit dem Klimawandel Atomkraftbefürworter*innen für eine Laufzeitverlängerung streiten, da die Atomenergie ja ach so klimaneutral sei und damit Unterstützung in einigen Parteien und Wirtschaftszweigen finden, dann wird klar, - der Atomausstieg ist noch nicht gesichert.

Auch auf europäischer Ebene wird weiter an der Rehabilitierung der Atomkraft gebastelt: Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember 2019 wurde die Atomenergie sogar als Beitrag zur Klimaneutralität(!) ausdrücklich genannt.

 

Wir fordern:

-  mehr Tempo beim Atomausstieg

-  Stilllegung der Uranfabriken in Lingen und Gronau

-  größere Anstrengungen beim Ausbau alternativer Energien

-  Förderungen für die Entwicklung von Speichermöglichkeiten

 

Mit dem Abschalten der letzten 6 Atomkraftwerke bis Ende 2022 sind wir das leidige Thema Atomkraft nicht los: Da steht die Frage, wohin mit dem Atommüll! Das geplante Endlager Gorleben ist aus Sicherheitsgründen erst einmal weggefallen. Die Suche muss weitergehen. Darüber wird leicht vergessen, dass auch für schwach- und mittelradioaktive Stoffe Endlagerstätten dringend gebraucht werden. Die Asse kann nicht mehr genutzt werden. Sie wird durch Wassereinbrüche bedroht. Mehr als 100.000 Fässer mit radioaktiven Abfall müssen in den nächsten 30 bis 40 Jahren geborgen werden. Bleibt noch Schacht Konrad.

Völlig überraschend wurde Anfang März 2020 die Bevölkerung darüber informiert, dass auf dem Gelände des rückgebauten Atomkraftwerks Würgassen in Nachnutzung ein Atommüll-Großlager, ein sog. „Logistikzentrum“ für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll errichtet werden soll. Als zentrale Einrichtung soll hier aus ganz Deutschland Atommüll gesammelt, gelagert und kontrolliert werden, bevor er dann 90 km weiter ins Endlager Schacht Konrad transportiert und dort eingelagert wird. In wenigen Jahren, spätestens 2027, wird mit einem hohen Aufkommen von Atommülltransporten im weiteren Umland von Würgassen (Luftlinie ca. 30 km von Dransfeld) zu rechnen sein. Inzwischen wird auch Schacht Konrad von vielen Wissenschaftler*innen und Expert*innen als veraltet und für die Einlagerung von Atommüll als nicht geeignet eingeschätzt. (Quelle: www.ausgestrahlt.de

Wir sind der Meinung:

Ohne Beteiligung der in der Umgebung von Würgassen lebenden Menschen, ohne ein transparentes Verfahren darf in Würgassen kein Atommülllager entstehen.           Würgassen darf nicht zum Atommüll-Verschiebe-Bahnhof werden!

Für den Samtgemeindeverband Bündnis 90 / Die GRÜNEN

Ernst Achilles-Wengel

 

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 Bündnis 90 / Die GRÜNEN Samtgemeindeverband Dransfeld                   Für DI 3 / 2021                                                

10 Jahre Atomkatastrophe von Fukushima -

Energiewende in Deutschland fortsetzen

Am 11. März 2011 erschütterte uns der Super-GAU im AKW von Fukushima Dai-ichi, ausgelöst durch einen TSUNAMI dem mehr als 18 Tausend Menschen zum Opfer fielen.  Die 3 geborstenen Reaktoren führten zur Kernschmelze, ausströmende Radioaktivität verseuchte große Landstriche, mehr als 160.000 Menschen mussten ihre Wohnstätten verlassen, viele Menschen waren radioaktiver Strahlung ausgesetzt (die gesundheitlichen Folgen sind nicht absehbar). Die Auswirkungen sind nach wie vor spürbar: verseuchtes Erdreich wurde weiträumig abgetragen, kontaminiertes Kühlwasser muss bis heute in mehr als 1000 Tanks gesammelt werden und wird teilweise in unverantwortlicher Weise ins Meer geleitet. Es gibt nach wie vor unbewohnbare Sperrgebiete. Fast 39.000 Menschen werden jetzt noch als „Evakuierte“ gezählt.  Sie dürfen auch nach dieser Zeit nicht in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Noch immer können zwei der Blöcke nicht erkundet werden. Die Ausmaße der Kernschmelzen sind noch nicht überschaubar. Die Kühlung mit Meerwasser muss ununterbrochen fortgesetzt werden. In den Folgemonaten nimmt Japan schließlich alle 54 Reaktoren vom Netz und kommt ganze 2 Jahre ohne Atomstrom aus. Auch 10 Jahre nach der Katastrophe sind in Japan gerade einmal neun Reaktoren wieder am Netz.

Am 11.Februar 2021 löste vor der Küste von Fukushima ein Beben der Stärke 7.3 wieder erhebliche Schäden an Land aus. Mehr als 100 Menschen wurden z.T. schwer verletzt. Zum Glück blieb ein Tsunami aus. Auch gab es nur geringe Schäden an dem havarierten AKW. Allerdings drang kontaminiertes Wasser unkontrolliert aus.

Die Atomtechnologie ist nicht sicher und nicht beherrschbar

In Deutschland führte der japanische Super-GAU von 2011 zum völligen Umdenken: der Ausstieg aus der Kernkraft wurde beschlossen (übrigens kurz nachdem die Regierungsmehrheit eine allgemeine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beschlossen hatte). In der Folgezeit sind jetzt fast alle Kraftwerke stillgelegt worden, die letzten drei sollen bis Ende 2022 abgeschaltet werden (… und die Lichter gingen nicht aus!).

Unbeeindruckt davon werden in den Uranfabriken Lingen und Gronau weiter Brennstäbe produziert, wenn schon nicht für den heimischen Markt, dann für andere Länder. So gab es zuletzt Brennstoff-Exporte aus Lingen für das Schweizer AKW Leibstadt und für das belgische AKW Doel.

Wie geht es in Deutschland weiter mit der Atomkraft?

Aber auch durch das wiederholte Verschärfen und Verändern des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) wird die Energiewende verzögert, z.T. ausgebremst. So stagnierte in den letzten Jahren der Ausbau der Windenergie durch komplizierte Ausschreibungsverfahren (an denen sich dadurch Bürgergesellschaften, aber auch Kommunen kaum mehr beteiligen konnten), langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen (siehe Windpark Jühnde) und unklare Genehmigungsverfahren. Inzwischen hat diese „Flaute“ mehr Arbeitsplätze gekostet als die gesamte (Braun-)Kohlewirtschaft hat.

Aber auch die Photovoltaik (PV) Branche musste Rückschläge hinnehmen. Denn der aus der EEG Umlage gezahlte Strom-Preis ist über die Jahre sehr gering geworden. Viele glauben jetzt, dass es sich nicht mehr lohne. Doch das ist ein Irrtum, besonders, wenn ich den gewonnenen Strom weitgehend verbrauche und überschüssigen am besten noch selber speichern kann (siehe Bau einer PV-Anlage in DI 2/21). Mit Dächern von kommunalen Gebäuden, Industrieanlagen und Privathäusern besteht noch ein Riesenreservoir an Flächen für PV-Anlagen. (so könnten Gemeinden bei Bebauungsplänen für Neubaugebiete statt die Farbe der Ziegel vorzuschreiben, eine Auflage zum Bau einer PV-Anlage festlegen)

Mit dem 1,5 Grad Ziel kann der Klimawandel voraussichtlich in seiner extremen Form aufgehalten werden. Mit der Bewegung Fridays for Future (FFF) ist in Deutschland eine breite Willensbekundung gegeben worden. Dies hat Konsequenzen für unser zukünftiges Leben.

Was können wir tun:

  • energisch muss der Bundesregierung deutlich gemacht werden, dass der Ausstieg aus derAtomtechnologie unumkehrbar ist. Die Pro-Atom-Lobby nutzt die Verunsicherung und propagiert Atomkraft gegen den Klimawandel. Dabei ist der angebliche Klimanutzen der Hochrisikotechnologie längst widerlegt – und nicht einmal rentabel.
  • Die Erneuerbaren Energien müssen weiterhin und vermehrt im Ausbau gefördert und entwickelt werden. Dazu gehört auch die Transformation in der Autoindustrie.
  • Stichwort Energieeffizienz: Es gibt noch große ungenutzte Einsparpotenziale, auch im privaten Bereich. Ob beim Hausbau, Sanierung (Dämmung), bei der Anschaffung energiesparende Geräte, Mobilität etc.)
  • Und wenn wir keinen Atomstrom wollen, dürfen wir auch keinen abnehmen. Wer noch nicht hat, der kann jederzeit von seinem Atomstromanbieter zu einem Ökostromanbieter wechseln, so wie es Stadt und Samtgemeinde Dransfeld auf Initiative der Grünen bereits vor vielen Jahren getan haben. Wir Grünen helfen Ihnen gerne dabei.

Bei der Auswahl sollte beachtet werden, dass der Anbieter keine Verflechtungen mit der Atom- und Kohlewirtschaft aufweist. Also Hände weg von E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall als die vier großen Konzerne. Zwar bieten auch sie Ökostrom an, aber hierdurch würde man den Bau von weiteren Kohlekraftwerken und Atomkraftwerken im Ausland unterstützen. Auch behindern sie weiterhin durch ihren großen Einfluss die Energiewende. Auch sollte man Anbieter meiden mit verdächtig billigem Ökostrom. Diese Anbieter erwerben häufig sog. Graustrom, d.h., sie kaufen überwiegend Atom- und Kohlestrom und erwerben lediglich zusätzlich billige Zertifikate von einem europäischen Wasserkraftanbieter mit denen sie den Strom als Ökostrom umettiketieren. Unter Ökostrom-Anbieter, atomaustieg-selber-machen, Energiewende Bündnis oder ähnlichen Stichwörtern kann man erfahren aus welchen Anlagen der Ökostrom kommt. Als Anbieter, die ausschließlich Ökostrom vertreiben werden immer wieder genannt: EWS Schönau eG, Naturstrom AG, Greenpeace energy eG, Bürgerwerke eG, Polarstern GmbH u.a.

Die Reihe mit Informationen zur Energiewende / Alternative Energien wird fortgesetzt

Am Donnerstag, den 11. März wird es zur Erinnerung an die Atomkatastrophe von Fukushima an vielen Orten Kundgebungen und Mahnwachen unter Corona Bedingungen geben. Vielleicht beteiligen auch Sie sich daran.

Für den Samtgemeindeverband B 90 / die GRÜNEN

Vera Wengel      Ernst Achilles-Wengel

Und bleiben Sie gesund und negativ!

Die Partei- und Ratsvertreter*innen im grünen Ortsverband Dransfeld

Sie können gerne über die angegebenen Kontaktdaten Informationen über aktuelle Termine im Ortsverband erhalten.

Arne Wrede (Vorstand im Ortsverband)

 

Telefon: 05546-999161

Email: arnewrede(at)t-online.de

Ernst Achilles-Wengel (Vorstand im Ortsverband)

 

Telefon: 0551-50335222

Email: Ernst.Achilles(at)t-online.de

 

Ingrid Linde-Schwethelm (Kassiererin im Ortsverband und Fraktionsvorsitz im Samtgemeinderat Dransfeld)

 

Telefon: 05502-1697

Email: linde-schwethelm(at)t-online.de

Renate Kassner-Daber (Samtgemeinderat Dransfeld)

 

Telefon: 05502-47102

Email: rekada(at)online.de

Günther Schwethelm (Stadtrat Dransfeld)

 

Telefon: 05502-1697

Email: g.schwethelm(at)t-online.de